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Fürst Pückler und das liebe Geld (2)

Leopold Schefers Ehrenpension

Von Bernd-Ingo Friedrich


Ein wieder aufgefundener Brief Leopold Schefers an den Hofrat Karl Gottfried Theodor Winkler (Theodor Hell) in Dresden, geschrieben am 20. September 1833,1 überliefert eine ganze Reihe bemerkenswerter Informationen, darunter über eine Angelegenheit, die oft, verschieden, aber meistens falsch dargestellt wurde: Die Ehrenpension, die Graf Hermann von Pückler seinem „Vice-Grafen“ (Wolff) Leopold Schefer zum Abschied aussetzte. Dieser Brief erhellt sie, klärt sie aber noch immer nicht zur Gänze. – Zunächst teilte Schefer dem Hofrat mit:

Zu Angelegenheiten seines Standesherrn: „Des Fürsten Tutti Frutti (2 Bde in der Weise der Briefe d Verstorbenen, nur daß sie das Vaterland ein wenig belauschen) kommen jetzt nach Michaeli; das Gartenwerk, das schon über 6000 Thaler Auslagen kostet, wird über Winter bis Ostern fertig. Ich habe dem Fürsten solche Lust durch meine Mittheilungen aus Aegypten, der Türkei, Kleinasien und Griechenland gemacht, daß er in wenig Wochen eine Tour beginnt und abgeht, so Gott will nicht mit Tode! Er war letzthin 2 mal in Dresden u. Leipzig, beides kleine Touren die ich übernehmen sollte, und es wäre beßer gewesen.“

Etwas zur Entstehung seines Romans Die Gräfin Ulfeld: „Es waren einige Schwedische und Dänische Gräfinnen hier und diese und die Fürstin haben mir nicht Ruhe gelaßen aus verschiedenen Rücksichten, das Leben derselben und der darin enthaltenen Grafen Ulfeld zur letzten wichtigsten Zeit von Dänemark zu schreiben“, und weiter unten „Der Kronprinz von D. hat der Fürstin, mit deren Nichte er sehr eng liiert ist den Trauring der Gräfin Ulfeld gesandt.“

Über Bettina von Arnim: „Jetzt haben wir die Frau von Arnim (Clemens Brentanos Schwester) hier, die uns alle Abende ihre Data, besonders ihre Geständniße von Goethe vorgelesen, der sie oft unter seinen Mantel (der Liebe) genommen! Sie wird ihm eine Denk Statue setzen, die sie selbst imaginiert hat.“

Über Schwierigkeiten, in die sein späterer Biograph Wilhelm von Lüdemann geraten war; dabei sprach er seine Hoffnung aus, ihn bald ganz für die Literatur gewinnen zu können: „Es schweben kostbare Vogel in der Luft für das Menschengeschlecht – aber jeder hat einen Teufel zum Wächter, und nur mit Geduld und Weisheit werden sie zur rechten Zeit gefangen; Kinder fangen Schmetterlinge, unbedacht ob sie sie verderben, wenn sie sie nur haben.“

Im Übrigen ging es um die Plazierung seiner Novellen Die Geschiedene und Die Eroberung von Konstantinopel und natürlich um seine Honorare.


schefer pension brief 1833


In diesem Zusammenhang kam er auf seine wirtschaftliche Lage und seine Pension zu sprechen. Über letztere war bisher nur bekannt, daß Schefer, nachdem er Ende 1815, Anfang 1816 eine „Beamten-Conferenz“ gegründet und ihr seine Vollmachten übergeben hatte, von Pückler mit einem schriftlichen Pensionsversprechen seiner Pflichten als „General-Inspector“ entbunden wurde.2


schefer pension villa foto um 1860

In der Bildmitte, links neben dem Kirchturm, präsentiert sich stolz Leopold Schefers „Haus Nr. 204 vor der Stadt“


Nun also schrieb er: „Ich habe eigentlich mein Schaf im Trockenen, habe ein großes schönes Garten und Acker Grundstück u. Haus und Wirthschaftsgebäude, beziehe 200 [Taler] und resp. 600 [Taler] Pension jährlich, und dieses Honorar für die Ulfeld soll mir die einzigen kleinen Reste zusammen für das Wirthschaftsgebäude bezahlen. Meine Verbindung mit dem Fürsten von Jugend auf, mit Ihr etc. ist so angenehm wie man nur wünschen kann.“

Nicht anders als heute, konnte auch damals ein und dieselbe Summe durchaus unterschiedliche Werte repräsentieren. Bei der Bewertung der Scheferschen Ehrenpension können die folgenden Zahlen als Anhaltspunkte dienen:

1.) Der Muskauer Töpfermeister Gottlieb Schöbel lieferte dem Fürsten Pückler im Juli 1847 für 60 Taler 450 Beeteinfassungen aus Ton (ausreichend für etwa 5 Beete zu je 4 mal 2 Metern) und „36 Figuren zum Zerschießen“ nach Branitz. (Die Rechnung vom 11. July 1847 wurde am 7. Junius 1848 beglichen!) 3

2.) Die für die Andeutungen über Landschaftsgärtnerei bis zum 20. September 1833 summierten Kosten (siehe oben) lagen bei über 6.000 Talern. (Mit so viel Geld ein Buch zu machen muß herrlich sein ...)

Dazwischen also rangiert Schefers Pension, die mit 600 Talern so hoch war wie jene Renten (!), die Pückler im Testament von 1871 seinem Zwerg Billy Masser zusammen mit einer einmaligen Auszahlung von 2.500 Talern vererbte.

Wie lange Schefer diese Pension erhielt, ist nicht mit Sicherheit zu sagen, doch man kann davon ausgehen, daß sie bis zu seinem Tode gezahlt wurde. Schefers ledig gebliebene Töchter äußerten im Februar 1862 in einem Brief an Hermann von Pückler nämlich die Bitte „ob Ew. Durchlaucht die große Gnade haben wollen und uns Töchtern die Pension die unser geliebter Vater der Gnade Ew. Durchlaucht zu danken hatte – was er auch noch vor wenigen Tagen aussprach – vielleicht lassen zu wollen.“4

Zu diesem Zeitpunkt hatten die 600 Taler, zum ersten Mal bereits durch die preußische Geldreform von 1821 und infolge weiterer Zäsuren sowie der Inflation weiter entwertet, allerdings nur noch etwa die Hälfte bis ein Drittel ihrer ursprünglichen Kaufkraft. Daß sie wohl nicht weiter gewährt wurde, kam an anderer Stelle bereits zur Sprache.

Ein Achtungszeichen gebührt auch der Briefbeilage, einem Albumblatt mit acht Versen „Aus dem Bhagavad Gita. a. d. Sanscr. uebersetzt [Hervorhebung von mir] von/ Leopold Schefer“. In den Leopold-Schefer-Biographien wird bereits etwas zu den Fremdsprachenkenntnissen Schefers gesagt. Als er zu seiner „Lebensuniversität“ aufbrach, sprach er sorbisch, griechisch, lateinisch, italienisch, französisch und englisch, unterwegs kamen Neugriechisch, Türkisch, Koptisch, Arabisch und Ägyptisch hinzu. Mit dem Sanskrit erweitert sich das Spektrum seiner Sprachkenntnisse nun also auf zwölf. Bis zu welchem Grade er eine Fremdsprache jeweils beherrschte, läßt sich natürlich mit Bestimmtheit nicht mehr sagen, doch aus seinen Aufzeichnungen geht hervor, daß die Studien, die er in Vorbereitung auf seine weiteren Reiseziele in der Levante mit hoher Intensität vor allem in der Wiener Hofbibliothek betrieb, ihm Dolmetscher entbehrlich machten.

(06.01.2012)

Nachtrag

Der folgende Auszug aus der „Chronik von Mörbe“ (s. unten*) zeigt ein weiteres Mal, wie leichtfertig in die Welt gesetzter Unsinn (Schefer lebte 1861 noch; Mörbe hätte ihn über seine Verhältnisse also durchaus persönlich befragen können) noch nach Jahrhunderten eine Biographie verzerren kann: Der „Günstling“ ist ebenso wie das verkürzte Zitat in v. Arnims und Boelckes Muskau/ Standesherrschaft zwischen Spree und Neiße (Ffm. Bln. Wien 1978) gelangt, und die Mär, Schefer sei von Pückler alimentiert worden, findet sich seit 2005 sogar in der NDB (Neuen Deutschen Biographie) wieder.

Mörbe, der sich auch nicht scheute zu kolportieren, daß eine „Schlacht [933 n. Chr.!] 26 Stunden lang“ getobt habe (S. 108; vgl. dazu die Wikipedia-Artikel „Uhr“ und „Stunde“), brachte über Leopold Schefer (S. 195) zu Papier:

38. Leopold Schefer, geboren in Muskau 1784, war des Fürsten Pückler-Muskau Günstling und Director seiner Herrschaft, wurde von dem Fürsten in Anerkennung seiner treuen Dienste mit einer freundlichen Villa am Spremberger oder Köbler Thore beschenkt. Schefer ist als großer Dichter bekannt und ist jetzt der älteste unter den Poeten. Aus seinem Laienbrevier dürften folgende Worte unsers Lausitzer Dichters geistige Stärke und sein entschiedenes Wesen bezeichnen:
„Dir müssen Feind sein: die die Knechtschaft wollen!
„Dir müssen Feind sein: die die Wahrheit fürchten!
„Dir müssen Feind sein: die das Recht verdrehen!
„Dir müssen Feind sein: die von Ehre weichen!
„Dir müssen Feind sein: die nicht Freunde haben!,
„Dir müssen Feind sein: die nicht Feinde haben,
„Weil – um für sich Verzeihung zu gewinnen,
„Die Welt zu leicht verzeiht. - - - - -“

Zur „freundlichen Villa“: Am 11. Juli 1834 schrieb Leopold Schefer an seinen Freund und Verleger, den Hofrat Winkler, daß er alles bezahlt habe, was er gekauft und gebaut, für das Grundstück 1.300 und für das Haus 4.029 Taler.

Das korrekt und vollständig abgeschriebene Gedicht findet sich im Kapitel „Gottlob Immanuel Leopold Schefer (1784-1862). Des pantheistischen Trifoliums Herzblatt“ auf schefer.kulturpixel.de.

Bitte auch die im Text blau oder rot markierten Links beachten.

*Ausführliche Geschichte und Chronik von der Stadt und der freien Standesherrschaft Muskau, für alle Freunde d. Geschichte u. d. Alterthums nach glaubwürdigen Quellen von Johannes Mörbe, evangelischer Pastor a. D. und Literat. Druck und Verlag von Julius Müller in Muskau. 1861; S. 194 ff.: „Kapitel V. Personal-Chronik derjenigen Männer, welche als geborene Muskauer irgend eine öffentliche Charge bekleidet haben“.

(29.01.2012)


Anmerkungen
1 Brief von Leopold Schefer an „Herrn Hofrath Winkler in Dresden“ vom 20. September 1833. Freies Deutsches Hochstift, Hs-30455,1; dabei: Albumblatt von Leopold Schefer, Hs-30455,2.
2 Vgl. Dreyer/Friedrich, „Mit Begeisterung und nicht für Geld geschrieben“, S. 19 u. Anm. 40 ebd.
3 Rechnung „Für Se. Durchlaucht dem Herrn Fürsten [...]“, BLHA Rep. 37 Branitz Nr. 336.
4 Brief von Marie Schefer an Fürst Hermann von Pückler-Muskau. Muskau den 20. Februar/ 1862. Biblioteka Jagielloñska, Krakau, Sammlung Varnhagen von Ense.

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