Der Bautzener Dr. Gregorius Mättig und die Schulden der Muskauer Standesherren
Von Bernd-Ingo Friedrich
Wer schon einmal versucht hat, sich größere Geldbeträge zu leihen, weiß, wie schwierig das selbst (oder: vor allem) unter Freunden ist. Dementsprechend schwer fällt es sich vorzustellen, wie Adlige, die keinen Pfennig Steuern zahlten und ihre Rechnungen nur dann beglichen, wenn sie gerade Lust dazu hatten, Schuldenberge auftürmen konnten, die als leibhaftige Gebilde – wie ich im Falle Hermann von Pücklers errechnet habe – die Schneekoppe überragt hätten. (S. dazu „Wie man aus Mücken Elephanten macht.“) Dazu trugen Gelder bei, deren Herkunft einen, wie im Falle der Mättigschen Stiftungen, mitunter doch ziemlich überrascht.

Im Klappentext einer vom Museum Bautzen herausgegebenen Aufsatzsammlung über Gregor Mättig und seine Stiftungen heißt es: Der Arzt, Stadtpolitiker und Mäzen Dr. Gregorius Mättig (1585-1650) „zählt zu den wichtigsten historischen Persönlichkeiten der Bautzener Geschichte. Sein Leben und Wirken hängt eng mit den Ereignissen des Dreißigjährigen Krieges zusammen. Mättigs bedeutendste Leistung war 1650 die testamentarische Errichtung mehrerer Stiftungen, die die Jugend seiner Heimat finanziell unterstützen sollten. Vorliegende Schrift nähert sich seiner Biographie sowie seiner Zeit an und beleuchtet eingehend sein Vermächtnis. Die Bautzener Stadtbibliothek, für deren Aufbau Mättig mit den Grund legte, stellt ein bis heute sichtbares Symbol seines Erbes dar. Somit wird nachvollziehbar, warum sich 2007 eine gleichnamige Stiftung wieder gegründet hat.“
Im Text der Broschüre kann man dazu lesen, daß aus dem Vermögen Mättigs insgesamt 24.250 Reichstaler (heute – 2009 – über eine Million Euro) in Stiftungen eingingen. „Im Einzelnen sind testamentarisch folgende Stiftungen verfügt worden:
1. Freitische, d.h. kostenlose Verpflegung und Unterkunft bzw. finanzielle Beiträge für mittellose Schüler,
2. Tuchgabe für die Unterstützung bedürftiger Schüler mit Stoffen zur Herstellung von Bekleidung – am Begräbnistag Mättigs auszureichen,
3. Stipendien – jeweils für die Dauer von drei Jahren ein
Stipendium für Theologie, Jura und Medizin, vorrangig für Angehörige der Familien Mättig und Rosenhain,
4. Lehrgeld für die Unterstützung bedürftiger männlicher Verwandter und Nachkommen der Patenkinder für die Berufsausbildung,
5. Ehegeld, d.h. Beihilfen bei der Eheschließung weiblicher Verwandter und Nachkommen der Patenkinder,
6. Finanzhilfen für weibliche Hospitalinsassen,
7. Spenden für das Taucherhospital,
8. Zuwendungen für die Geistlichen des Doms zu St. Petri,
9. Gelder zur Pflege des Epitaphs von Mättig im Dom,
10. Beträge zum Kauf von Kerzen für den Dom,
11. Zuschüsse zur Unterhaltung und Erweiterung der Stadtbibliothek,
12. Gehalt für den Kurator der Stiftungen.“
Und: „Erwähnt werden sollte auch, dass die Mättigschen Stiftungen über längere Zeit, insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert, ein bedeutender Darlehensgeber waren.“
1787 stand der Muskauer Reichsgraf Hermann von Callenberg mit 5.000 Reichstalern bei den Stiftungen in der Kreide, absorbierte also über ein Fünftel des ursprünglichen Stiftungsvermögens: Wie im Nachwort zu Leopold Schefers Novelle Die Osternacht bereits gesagt: Auf der Schattenseite der Schuldenwirtschaft befinden sich die Gläubiger und die Armen, die Mittel- und die Chancenlosen ...
Quelle: Aufsatzsammlung zu Gregorius Mättig in: Stadtmuseum Bautzen/ 13. Jahresschrift 2007. Hrsg. Stadtmuseum Bautzen – Regionalmuseum der sächsischen Oberlausitz/ Dr.-Gregorius-Mättig-Stiftung Bautzen. Bautzen 2009.
(24.12.2010)
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