05
Zur Startseite

Ein Nachtrag, der bis in die Gegenwart reicht

Von Bernd-Ingo Friedrich


quellnymphe nachtrag muskau neues moorbad 1930


Was Carl Weisflog alias Baron Emil so liebevoll beschrieben hat, war das Hermannsbad von Muskau. Es existiert nicht mehr. Der Kurbetrieb, obwohl er sich meist wenig rentierte, wurde unter Hermann von Pücklers Nachfolgern weiter geführt und sogar ausgeweitet. Die Quellnymphe mußte wohl ein weiteres Mal vorbeigeschaut haben, als der praktizierende Arzt Dr. Ewald Halter, Oberstabsarzt der Reserve, zwischen 1913 und 14 ein Privatsanatorium erbauen ließ. Anschließend übernahm er erst einmal ein Kriegslazarett auf dem Balkan. Von 1919 bis zum nächsten Kriegsbeginn florierte das Unternehmen. Es wurden Trink- und Badekuren verabreicht, außerdem hatte Dr. Halter eine Arbeitstherapie für seine wohlhabende Kundschaft erfunden: Von sieben bis neun Uhr wurde Gartenarbeit verrichtet, danach erst gab es Frühstück. Diese Einrichtung erfreute sich merkwürdigerweise großer Beliebtheit. 1935 übernahm Edmund Halters Sohn Dr. Wolf Halter, Stabsarzt der Reserve, das Haus. Auch er hatte bald ein Kriegslazarett zu betreuen. Es befand sich in der Muskauer Mittelschule, und das „Bergsanatorium“ wurde ab 1940 als Erholungsheim für Rüstungsarbeiter aus Berlin genutzt. Im Mai 1945 brannte es wie die Kurgebäude des Hermannsbades aus. Die Quellnymphe schmollte noch ein bißchen, doch dann wurde in Muskau, das sich nun auch „Bad“ nennen durfte, an anderer, allerdings etwas unzulänglicher Stelle weiter gekurt.


quellnymphe nachtrag muskau sanatorium halter 1920


Inzwischen hat Bad Muskaus guter Geist offenbar wieder Gefallen an der „milden Pflege“ gefunden. Das 2009 eröffnete „Kulturhotel Fürst Pückler“ in der Schloßstraße vereint alle traditionellen Kuren und Heilverfahren auf der Grundlage des örtlich vorhandenen Naturmoors und der Eisenvitriolquelle mit moderner Technik und zeitgemäßem Service. Die unternehmungslustigen Hoteliers und Balneologen Eva Maria und Bernd Geisler hatten den Kurbetrieb im „Kavalierhaus“ von 1998 an aufrecht und damit Bad Muskau den Kurortstatus erhalten. Hinzugekommen sind hochprozentiges Solethermalwasser aus dem „hauseigenen Urmeer“ in 1.586 Metern Tiefe sowie „importierte“ Rügener Heilkreide. (Das „Altteichaer Naturmoor“ gibt es sogar in der historischen Halbauer’schen, vormals Manno’schen Apotheke am Markt, gegründet 1656! – damals verkaufte man in den Apotheken noch Arsenik und Zucker!) Dem Zug der Zeit folgend kümmert man sich in der Schloßstraße nun auch um Schönheit und Wohlbefinden (man nennt sie neuerdings Beauty und Wellness) der Hotelgäste und – der Name sagt es schon – um die Kultur; ganz allgemein gesprochen. Das hübsche kleine Büchlein mit dem Titel Die Quellnymphe oder: Die Bäder zu Muskau zählt sich naseweis dazu.

(22.04.2010.)

quellnymphe nachtrag muskau kulturhotel fuerst pueckler 2009


Kommentare zu diesem Artikel ansehen | Kommentar zu diesem Artikel verfassen

Zur Startseite

Nach oben

made by hsulzer datenbankprogrammierung © 2007