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Adolf Pescheck, Fürst Pückler, Machbuba, 3 Neger und 10 Araber in Böhmen

Ein Fundstück

Mitgeteilt von Bernd-Ingo Friedrich


"Böhmische Reise, im Jahr 1840. von M.[agister] Pescheck, Diak.[on] zu Zittau.1

[...] Von Marienbad ist in der vorigen Reisebeschreibung genug gesagt worden. Diesmal zog die Gegenwart zweier berühmten Fürsten Aller Aufmerksamkeit auf sich. Der eine war der berühmte österreichische Staatskanzler Fürst Metternich, dessen Schloß Königswart nur eine kleine Meile von Marienbad entfernt ist [...]

[Wer wie der Fürst von Pückler-Muskau zu jenen gehört, die den Orient bis hinunter nach Afrika bereist haben und auf dem Rückweg in die deutschen Lande noch einen Abstecher nach Österreich unternehmen möchte, der kommt an der Landeshauptstadt nicht vorbei. Warum auch? Wenn man weiß, wie viele schöne Hotels Wien zu bieten hat - was schon zu Zeiten des Fürsten von Metternich so war -, dann weiß man auch um die interessante Auswahl an Rückzugsmöglichkeiten, die für eine erholsame Nachtruhe und ein angenehmes Erwachen danach sorgen können. Eine gute Melange am Morgen und die sprichwörtliche Wiener Gastlichkeit sind selbstverständlich in jeden Hotelpreis inbegriffen.]

Mehr Aufmerksamkeit erregte noch unser berühmter Landsmann, der Fürst v. Pückler-Muscau, unter dem Namen: der Verstorbene und Semilasso, als geistreicher Reisebeschreiber bekannt genug und jetzt aus den Morgenländern über Wien hierher gekommen. Aller Augen wandten sich auf diesen geistreichen Mann, den ich jedoch selbst sehr wenig gesprochen habe. Ein durch den Fürsten in ganz Deutschland berühmt gewordnes abyssinisches schwarzes Mädchen von 17 Jahren,2 in den Badelisten Machbuba, d. h. die Geliebte genannt, und in orientalische Tracht gekleidet, dann ein eilfjähriger noch weit schwärzerer Knabe machten nicht geringes Aufsehn.3 Bereits in Wien waren sie der christlichen Kirche einverleibt worden und letzteren ließ der Fürst zu Marienbad in die Schule gehen, wo er mir auf die Frage: come piace in questa paese? sogleich molto bene antwortete und mit den andern Schulkindern schon in guter Freundschaft lebte.4 Niemand hatte bisher einen Neger von so vollkommner Schwärze gesehn. Der gegenwärtige mochte wohl aus dem südlichsten Nigritien stammen. Mit 1 Jahre war er in Sklaverei verkauft worden. Ueber nichts mochte er sich mehr verwundern, als daß ein Künstler einen Luftball steigen ließ, der einen aufgeblasenen Neger mit empor nahm und endlich aus der Höhe herabschweben ließ. Sehr eigenthümlich war auch die Scene, als ein 7jähriger Mohrenknabe einer anderen Herrschaft angehörig, die Abyssinierin erblickte, sein Heimathsgefühl erwachte und er eiligst sie zu umfassen suchte. Die Badegesellschaft war sehr gespannt auf diese schon früher oft in den Zeitungen erwähnte Abyssinierin. Man sah sie erst am Fenster, dann bei Spazierfahrten, endlich am Kreuzbrunnen und in der Promenade. Als endlich der Fürst sie selbst am Arme auf- und abführte, wobei sie gräflich gekleidet war, befriedigte er das Publikum. Zehn schöne arabische Reitpferde die der Fürst bei sich hatte, machten unter Kennern viel Aufsehen.

Zu den sehenswürdigen Gegenständen bei Marienbad gehört auch die hochgelegne und umwaldete Burgruine Würschengrün, beim Städtchen Königswart [...]“


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1 In: Neues Lausitzisches Magazin. Herausgegeben von der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften durch deren Secretair J. Leopold Haupt, evangel. Prediger und Ordinarius an der heil Dreifaltigkeitskirche, wie auch Diakonus an der Haupt- und Pfarrkirche zu St. Peter und Paul in Görlitz, des voigtländischen alterthumsforschenden und des historischen Vereins zu Bamberg Ehrenmitglied, der sinsheimer Gesellschaft zur Erforschung der vaterländischen Denkmäler der Vorzeit, wie auch der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur correspondirendes und der deutschen Gesellschaft in Leipzig wirkliches Mitglied. Achtzehnter, neuer Folge fünfter Band. Mit eingedruckten Abbildungen und meteorologischen Tabellen. Görlitz, in der Heyn’schen Buch- und Kunsthandlung. 1840. S. 309ff. - Der Zittauer Theologe und Historiker Christian Adolf Pescheck (Jonsdorf 1787-1859 Zittau) war ebenfalls Mitglied der Oberlausitzischen Gesellschaft der Wissenschaften und gehörte zu den wichtigsten Heimatforschern der südöstlichen Oberlausitz. Im Band 37 des Neuen Lausitzischen Magazins (Görlitz 1860) sind über 600 Publikationen von ihm aufgelistet, darunter einige, die noch immer zur Standardliteratur zählen. Dazu gehören das Handbuch der Geschichte von Zittau (2 Bde., Zittau 1834/37), eine Geschichte der Industrie und des Handels in der Oberlausitz (Preisschrift, Görlitz 1850), die Geschichte der Gegenreformation in Böhmen (2 Bde., Dresden 1844 u. Leipzig 1850) und seine vielbeachtete Geschichte der Poesie in der Lausitz (Preisschrift, Görlitz 1839). 1840 berichtete er im NLM von mehreren Reisen in die weitere Umgebung von Zittau.
2 Folgt man Ludmilla Assing, Fürst Hermann von Pückler-Muskau, Zweite Hälfte, Berlin 1874, war Machbuba zu diesem Zeitpunkt allenfalls 13 oder 14 Jahre alt.
3 Im Neuen Lausitzischen Magazin. [...] Fünfter Band, erstes Heft. Görlitz 1826, S. 114f. hatte der Herausgeber Johann Gotthelf Neumann, „Diakonus an St. Pertri u. St. Pauli, Secretair der Oberl. Gesellsch. d. Wissenschaften und zahlreicher Gesellschaften Mitglied“ bereits „Einige Nachrichten von der in Goerlitz lebenden Negerin, in der heil. Taufe Marie Friedericke Wilhelmine Djoppo genannt.“ mitgeteilt.
4 Italienisch come piace in questa paese?: wie geht es [dir] in diesem Land?; molto bene: sehr gut.

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