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Einige einleitende Worte

Von Bernd-Ingo Friedrich


Die geheime Geschichte der sogenannten Großen ist leider meistens ein Gewebe von Niederträchtigkeiten und Schandtaten.
Gottfried Seume.

Fürst Pückler und die Frauen – ein weites Feld. Hört man. Besieht man sich das Feld genauer, so scheint es mehr ein Beet mit einigen mickrigen Pflänzchen zu sein. Daß Pückler sein Herz gern an Frauen hängte und diese manchmal das ihre an ihn, steht außer Frage. Die Rede ist hier jedoch – und so soll das Begriffspaar Pückler & Frauen ja wohl auch verstanden werden – von Erotik, von Sex; von Handfestem eben, so wie es auch das geflügelte Wort „Er soll mehr Frauen als Casanova und Jupiter (oder Don Juan) zusammen gehabt haben“ suggeriert. Wir erlauben uns Zweifel daran und wollen unsere Zweifel im Folgenden begründen.

Wir konzentrieren uns dabei vor allem auf die gängigen Biographien und einschlägigen thematischen Auswahlbände. Es sind ja vor allem diese, die das Bild des Fürsten bis zur Unkenntlichkeit verzerrt haben. Auf ein erneutes Sichten von Primärquellen haben wir außerdem verzichtet, weil wir die Erfahrung gemacht haben, daß gewisse Informationen von gewissen Personen und leider auch Institutionen gedeckelt werden, um Tendenzen zu befördern oder um sie ggf. selbst zu verwerten. Hohe Kosten wären in diesem besonders aufwendigen Fall ein dritter Grund für einen unabhängigen Autor (wes Förder-Geld er nimmt, des Lied soll er nämlich pfeifen), auf Recherchen in Archiven zu verzichten, die zwar vom Steuerzahler alimentiert werden und gemeinnützig arbeiten sollten, jedoch mehr oder weniger kommerziell arbeiten, falls es in ihrem Interesse liegt. Wir werden also Perle für Perle Indizien aneinander fügen, bis sich eine überzeugende Gedankenkette ergibt. Leicht möglich, daß sich bei einer solchen Vorgehensweise ein paar Schönheitsfehler bzw. -irrtümer einschleichen, aber gegen die systematische, seit vielen Jahren im großen Stil betriebene Geschichtsfälschung wären diese – gesetzt den Fall – ein Klacks. „Verbinden heißt erfinden“, schrieb Leopold Schefer, der Jugendfreund Pücklers.

Wir ersparen uns aus naheliegenden Gründen auch die mühselige Quellen-Angeberei: Die Experten wissen ohnehin, wo was steht (und womöglich sogar, wo etwas steht, was hier noch nicht steht – siehe oben); von den Laien erwartet man sowieso nicht, daß sie der Sache auf den Grund gehen; und so richtig interessiert es – auf gut Deutsch – ja doch keine Sau, ob stimmt, was hier steht: Am richtigsten ist nämlich immer noch das, was man längst schon selber weiß. Im „Kasten“ haben wir die exakten Nachweise natürlich! (Einer der Fürst-Pückler-Experten hat unlängst einen 18-seitigen Traktat über die neueste Fürst-Pückler-Literatur [vier Titel] mit genau 100 – in Worten: einhundert – Fußnoten veröffentlicht!)

Daß es jederzeit Neuigkeiten geben kann, die das Folgende bestätigen, vielleicht aber auch überflüssig machen können, liegt in der Natur der Dinge. Den Spaß an der Sache (Helden von einem unverdienten Sockel zu holen) kann das aber nicht trüben:

Die Luftschlösser des Gelehrten:
Den Entwurf zu einem Buche machen,
das neues enthält,
(– mit Schnelligkeit mit Feuer mit Ungestüm! –)
und zugleich glauben, man werde den Entwurf ausführen –
ist innige Herzenslust, und viel mehr als Vergnügen,
So hab ich ihrer nicht wenige heut entworfen –
Und morgen die Hoffnung aufgegeben, sie zu schreiben:
Vergessen sind sie!
Doch bin ich darum weniger glücklich bei den Entwürfen gewesen?
(Klopstock.)

Ebenso ergeht es uns mitunter halt auch mit unseren Forschungen.


sex02 fuerst pueckler branitz 1870


Den geschätzten (also den Bücher kaufenden) Leser erwartet auf den folgenden Seiten:
Das Kapitel 1:
Es setzt sich mit einer überaus interessanten Hypothese auseinander.
Kapitel 2
enthält Reflexionen über den Umgang mit historischen Persönlichkeiten,
Kapitel 3
beschäftigt sich mit der Sicht verschiedener Autoren auf Pücklers Verhältnisse zu verschiedenen Frauen,
Kapitel 4
beleuchtet Details dieser Verhältnisse; der Sonderfall Machbuba kommt zum x-ten Male ausführlich zur Sprache; die Appendix „Andere Frauen“ enthält Peinlichkeiten.
Ein fünftes Kapitel
widmet sich den medizinischen Aspekten der Frage „hat er (gekonnt)?“
Ihm schließen sich
ein Nachtrag zum ersten Kapitel
sowie „Einige abschließende Worte“ an.
Drei Anhänge und ein Literaturverzeichnis komplettieren das Ganze.

Das Kapitel 1 ist vor allem für die Kenner der Materie interessant. (Ausgenommen natürlich jene Profis, die ihr Material wider besseres Wissen knechten, um daraus etwas basteln zu können, was sich gut verkaufen läßt.) Wer einfach nur etwas Neues lesen möchte, ohne groß nachschlagen und -denken zu wollen, kann unbesorgt mit dem zweiten Kapitel anfangen. Ein wenig Bekanntschaft mit dem Leben des Fürsten Pückler haben wir dabei allerdings vorausgesetzt.

Noch ein Wort zum Pluralis majestatis, dessen wir uns ironisierend (!) – wohlgemerkt – bedienen. „Der Pluralis majestatis (auch: maiestatis) ist die Bezeichnung der eigenen Person im Plural als Ausdruck der Macht. Hintergrund der Wahl der Mehrzahl ist, daß Monarchen oder andere Autoritäten immer für ihre Untertanen beziehungsweise Untergebenen sprechen und gleichzeitig eine Hervorhebung der eigenen Person stattfindet.“ Wir maßen uns hingegen an, namens jener Mehrheit zu sprechen, die „man“ aus handfesten Beweggründen kaum zu Wort kommen läßt, sowie der Vernunft, die sowieso nie zu Wort kommt.


Zum nächsten Kapitel: „Hat er? Oder hat er nicht?“

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