05
Zur Startseite

Ludmilla Assing

Die Biographin des Fürsten Pückler

Von Bernd-Ingo Friedrich


Nur auf freie und gerechte Zustände, auf die Wohlfahrt der Völker kommt es doch an.
Ludmilla Assing-Grimelli.


bio assing ludmilla pastell staatsbibliothek berlin

Ludmilla Assing, Selbstbildnis 27x21 cm, Pastell um 1850.
Foto © Staatsbibliothek zu Berlin


Fürst Hermann von Pückler-Muskau hielt nichts davon, die traurige Existenz „eines Kohlstrunks" zu führen und für die Nachwelt bedeutungslos zu werden, und so setzte er zu Lebzeiten alles daran, seinem umfangreichen Gartenwerk eine umfangreiche Hinterlassenschaft an Papieren zur Bewahrung seines skurillen Lebenslaufes hinzu zu fügen. Nachdem sein langjähriger Freund und Lektor Varnhagen von Ense gestorben war, machte er dessen Nichte und Schülerin Ludmilla Assing-Grimelli zur Vertrauten seiner Wahl für die Erhaltung und Aufarbeitung seines schriftlichen Nachlasses.

Ludmilla Assing wurde am 22. Februar 1821 in Hamburg geboren. Sie wuchs in einem materiell gesicherten und kulturell vielseitigen Elternhaus auf. Nach dem Tod ihres Vaters 1842 - die Mutter war zwei Jahre zuvor bereits verstorben - zog sie nach Berlin und gehörte zum Freundeskreis Varnhagens und seiner Frau Rahel, dem auch die Brüder von Humboldt, Bettina von Arnim und viele andere bedeutende Personen angehörten. Dort lernte sie den Fürsten von Pückler-Muskau kennen. Ab 1861 veröffentlichte sie Teile der politisch brisanten Tagebücher ihres 1858 verstorbenen Onkels Varnhagen, deretwegen sie während ihrer Abwesenheit in zwei Prozessen zu zwei Jahren und acht Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Zu dieser Zeit hielt sie sich in Florenz auf. Sie blieb daraufhin in Italien, setzte von da aus die Herausgabe der Tagebücher fort und kehrte erst nach einer Generalamnestie im Jahre 1866 gelegentlich wieder nach Deutschland zurück. Sie war darüber hinaus als engagierte Demokratin unermüdlich publizistisch tätig, veröffentlichte einige Biographien, schrieb für zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften und widmete sich vor allem dem ererbten, umfangreichen schriftlichen Nachlaß Varnhagens. Aus diesem, einem Konvolut von Briefen von und an 9000 Personen, Tagebüchern und Autographen, gab sie u.a. Briefe von Karl August und Rahel Varnhagen von Ense, Friedrich Gentz, Alexander von Humboldt, Ludwig Börne, Heinrich Heine und Bettina von Arnim heraus. Sie starb am 25. März 1880 in Florenz.

Im Juni 1867 hielt sie sich 14 Tage in Branitz auf und sichtete gemeinsam mit dem Fürsten Pückler dessen literarischen Nachlass, den sein Privatsekretär Wilhelm Heinrich („Billy") Masser zuvor bereits in die von Ludmilla Assing übernommene und noch heute gebräuchliche Ordnung gebracht hatte. Den nahezu gesamten Nachlaß erbte sie 1871 und stellte daraus die neun Auswahlbände „Briefwechsel und Tagebücher" (1873-76) zusammen und verwendete ihn für ihre 1873/74 erschienene, zweibändige Fürst-Pückler-Biographie. Auch wenn sich für ihre Biographie aus der weiteren Erschließung des Pückler-Archivs der Stiftung Fürst-Pückler- Museum Park und Schloß Branitz sicherlich noch Korrekturen ergeben werden, sind ihre Werke nach wie vor wesentliche Quellen für die Pückler-Forschung.*

(2004)

bio assing rosa maria scherenschnitt hamburg 1832

Scherenschnitt von Rosa Maria Assing, datiert Hamburg 1832.
Mehr dazu auf www.scherenschnitt.org.


Anmerkung
* Zum Nachlaß Ludmilla Assings siehe auch Volkmar Herold: „Eine Schatzkammer der Kulturgeschichte - das Pückler-Archiv in Branitz." In: edition branitz 4. Cottbus 1999; S. 157ff.

Kommentare zu diesem Artikel ansehen | Kommentar zu diesem Artikel verfassen

Zur Startseite

Nach oben

made by hsulzer internetservice © 2007