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Ein Vorwort mit einer fremden Feder

Von Bernd-Ingo Friedrich


sex01 marcus behmer schloss marzipan VII 1929


Es gibt nur eine Sünde,
die gegen die ganze Menschheit mit allen ihren Geschlechtern begangen werden kann,
und dies ist die Verfälschung der Geschichte.
Friedrich Hebbel.

Es wird viel erfunden, geschummelt, geschönt und geschwindelt, um dem Leser/ Touristen/ Konsumenten Dinge schmackhaft zu machen, die ansonsten ziemlich bitter wären. Das ist schade, denn das Leben schrieb und schreibt noch immer die besseren Geschichten. Wilhelm Hauff äußerte sich 1827 über den Lausitzer Bestsellerautor Carl Gottlieb Samuel Heun, der als Heinrich Clauren unter dem Anagramm H. Clauren (für Carl Heun) schlüpfrige Trivialromane wie Mimili veröffentlichte, wie folgt:

„Volksmänner waren jene, die sich in den Grad der Bildung ihres Publikums schmiegten, die eingingen in den Ideenkreis ihrer Zuhörer und Leser und sich, wie der Prediger Abraham a Santa Clara, wohl hüteten, jemal sich höher zu versteigen, weil sie sonst ihr Publikum verloren hätten. Diese Leute handelten bei den großen Geistern der Nation, welche dem Volke zu hoch waren, Gedanken und Wendungen ein, machten sie nach ihrem Geschmack zurecht und gaben sie wiederum Leuten preis, die solche mit Jubel und Herzenslust verschlangen. Diese Volksmänner sind die Zwischenhändler geworden und sind anzusehen wie die Unternehmer von Gassenwirtshäusern und Winkelschenken. Sie nehmen ihren Wein von den großen Handlungen, wo er ihnen echt und lauter gegeben wird; sie mischen ihn, weil er dem Volke anders nicht munden will, mit einigem gebrannten Wasser und Zucker, färben ihn mit roten Beeren, daß er lieblich anzuschauen ist, und verzapfen ihn ihren Kunden unter irgendeinem bedeutungsvollen Namen.

Diese Gassenwirte oder Volksmänner treiben aber eine schändliche und schädliche Wirtschaft. Sie fühlen selbst, daß ihr Gebräu sich nicht halten würde, daß es den Ruf von Wein auf die Dauer nicht behalten könnte, wenn er nicht auch berausche. Daher nehmen sie Tollkirschen und allerlei dergleichen, was den Leuten die Sinne schwindelnd macht. (...) Sie kleiden ihr Gewerbe in einen angenehmen Stil, der die Einbildungskraft leicht anregt, ohne den Kopf mit überflüssigen Gedanken zu beschweren, sie geben sich das Ansehen von heiterem, sorglosem Wesen, von einer gewissen gutmütigen Natürlichkeit, die lebt und leben läßt, sie sind arglose Leute, die ja nichts wollen, als ihrem Mitmenschen seine ‚oft trüben Stunden erheitern’, und ihn auf eine natürliche, unschuldige Weise ergötzen. Aber gerade dies sind die Wölfe in Schafskleidern, das ist der Teufel in der Kutte, und die Krallen kommen frühe genug ans Licht.“

Wir schließen uns dem bedingungslos an und meinen, viel besser könne man auch den überhand nehmenden Mißbrauch der regionalen wie überregionalen Geschichtsschreibung zu merkantilen, touristischen und/ oder politischen Zwecken nicht charakterisieren, denn die Erbe-Rezeption wird für den unvoreingenommenen Rezipienten mehr und mehr zu einem Horrortrip. In Opposition dazu orientieren wir uns an einem Wahlspruch, der von dem Graphiker Marcus Behmer (1879-1958) stammt: „Nichts, was man – für die Veröffentlichung, aber auch sonst – arbeitet, sollte man mit Bewußtsein weniger gut machen, als man es irgend machen kann.“ Das sind wir unseren Lesern schuldig.

Bernd-Ingo Friedrich
Weißwasser, den 1. August 2009


Zum nächsten Kapitel: „Einige einleitende Worte.“

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